1. Sonntag im Advent, 3. Dezember 2017

Nun beginnt die Adventszeit. Wie jedes Jahr scheint sie einfach vor der Tür zu stehen. Eigenartig, denke ich, seit September laufen mir Weihnachtsmänner und Lebkuchenherzen über den Weg. Ja und ich muss zugeben vor 2 Wochen habe ich bereits meinen ersten Stollen gegessen. So vor der Zeit schmeckt er fast am besten. Genauso habe ich Anfang November mal in die Adventskisten hineingeschaut, was ich in diesem Jahr aufstellen möchte. Da meldete sich eine innere Stimme: „Willst du das wirklich jetzt schon? Das ist fast wie Weihnachten durch das Schlüsselloch schauen, weil es als Kind bis Weihnachten kaum auszuhalten ist.“ Ja, warten ist gar nicht so einfach. Vor allem in unserer schnellen Zeit, wo ich mir per Knopfdruck auf der Tastatur all das bestellen kann, was mein Herz sich wünscht. Aber halt, kann ich das wirklich, mir meine Herzenswünsche erfüllen? Natürlich nicht. Da muss ich schon mal geduldig sein. Nun, was sind denn eigentlich die Wünsche meines Herzens? Weiß ich das so genau? Um ihnen auf die Spur zu kommen, dazu könnte mir die Adventszeit dienen. Advent bedeutet Ankunft. Wir feiern im Advent die Freude darüber, dass Gott bei uns Menschen ankommen möchte. Er ist vor 2000 Jahren als Mensch in Jesus Christus auf diese Erde gekommen um mit uns zu sein. Immer neu berichtet die Bibel davon, dass dort wo Gott ist, die Welt heller, freundlicher und zuversichtlicher wird. Für mich ist das zu spüren, wenn Menschen einander mitfühlend und wertschätzend begegnen, wenn sie sich Zeit füreinander nehmen, wenn sie sich helfen und füreinander sorgen, wenn sie erzählen, was sie bewegt, wovon sie träumen und das ohne sich zu bewerten oder gar zu verurteilen. Manchmal wünschte ich, Christus würde kommen und endlich allem Unfrieden in der Welt ein Ende setzen, einfach so. Aber schon damals hat Gott einen anderen Weg gewählt, den Weg der Liebe. Und dieser Weg braucht einen langen Atem und Geduld. Aber damit hat er einen Traum in die Herzen der Menschen gepflanzt, der immer neu mit Leben gefüllt werden möchte. Und das geht nicht auf Knopfdruck. In den kommenden Wochen des Advents bekommen wir Zeit geschenkt, einen Traum, der in uns ist zu leben. Wir bekommen Zeit geschenkt, der Liebe Raum zu geben und damit Gott in uns und der Welt ankommen zu lassen.

Pfarrerin Nicole Gneiting