1. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juni 2017

Gott mehr gehorchen als den Menschen
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5,29) So lautet der Monatsspruch für den Monat Juni. Ein einfacher Satz, eine klare Ansage. Wenigstens auf den ersten Blick. Aber ist das wirklich so einfach? Letztendlich steckt ja auch viel Veränderungs- und Widerstandspotenzial in diesem „Gott mehr gehorchen als den Menschen“.
Der Apostel Petrus hat diesen Satz gesprochen. Er hat sich auf die Freiheit der Verkündigung gegenüber der Obrigkeit berufen. Petrus, Paulus und viele andere sind bei der Obrigkeit angeeckt. Deshalb hat man sie ins Gefängnis geworfen worden. Sie sollten so daran gehindert werden, Jesu Leben und Taten zu bezeugen und sich zu ihm zu bekennen. Entschieden und überzeugt haben sie sich zu Jesus Christus bekannt. Sie haben davon erzählt, dass Jesu Botschaft frei macht von Abhängigkeiten und Nöten. Sie stellten ihr Bekenntnis zu Jesu freimachender Botschaft über alle anderen Machtansprüche. Das haben sie öffentlich als ihren Glauben bekannt, der ihnen Kraft gibt. Und das hatte gesellschaftspolitische Konsequenzen. Wie das eben so ist, wenn jemand Fragen an ein bestehendes System stellt, fühlen sich die Vertreter der Machtelite meistens bedroht, anstatt sich mit den Fragen und Herausforderungen ernsthaft auseinander zu setzen.
Was heißt das heute? Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen und das Wort zu erheben, wenn das Wort von Menschen über das Wort Gottes gestellt wird. Wenn der Egoismus Einzelner etwas über das Wohl aller gestellt wird. Wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Überzeugung ausgegrenzt werden. Wenn Rechtspopulisten das Wohl des eigenen Volkes über das Wohl der Völkergemeinschaft stellen. Wenn pseudoreligiöse Floskeln für Terror, Extremismus oder der Verherrlichung von Gewalt genutzt werde –  in welcher Religion auch immer.
Die Botschaft der Bibel ist klar: Alle Menschen sind Gottes Ebenbilder. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So ist das in unser Grundgesetz eingegangen.
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Der Satz ermutigt uns, in jeder Situation des menschlichen Zusammenlebens immer wieder neu in uns hinein zu horchen. Das ist der Prüfstein für alles Beziehungsgeschehen. Wir sind aufgerufen, achtsam mit unserer wunderbaren Schöpfung umzugehen, respektvoll mit anderen Menschen und solidarisch mit allen Menschen in Not. Das ist wichtiger als das Festhalten an alten Denkmustern und Strukturen. Das ermöglicht uns immer wieder das Aufbrechen von festgefahrenen Strukturen.

Bernd Mayer, Pfarrer an der Pauluskirche in Tailfingen